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Sturm und Orkan

Seit einigen Jahren wird Mitteleuropa immer häufiger von Stürmen mit extremen Windgeschwindigkeiten heimgesucht. Die Ursache dafür ist vor allem im Herbst und Winter der durch die globale Erwärmung verursachte ständig steigende Temperaturunterschied zwischen der Polarregion und dem Süden.
Da sich dadurch die Luftdruckwerte geändert haben, ziehen die Stürme auf einer nördlicheren Bahn als noch in der Vergangenheit über Europa. Daher kommt es auch in Österreich vermehrt zu starken Stürmen.
Auffällig dabei ist, dass die Geschwindigkeit der Sturmspitzen mittlerweile Ausmaße erreichen, die vor einigen Jahren noch als unmöglich angesehen wurden. Wurden in den 1990er-Jahren nur Sturmspitzen von etwa 150 km/h in Österreich gemessen so erreichten die letzten Orkane Windgeschwindigkeiten von etwa 216-230 km/h.
Zusätzlich ist zu beobachten, dass diese Stürme ihre zerstörerische Energie über viele Stunden aufrecht erhalten konnten.
Dieser langen zeitlichen Einwirkung und den hohen Sturmgeschwindigkeiten sind unsere technischen Anlagen, Gebäude und Wälder kaum gewachsen und so nehmen die Personen- und Sachschäden immer weiter zu.

 

Sturm - Selbstschutztipps

Sturmschäden
Foto 2 unter: Creative Commons-licensed photos

"Kyrill", "Paula", "Emma" harmlose Namen für verheerende Stürme. Sie zogen jedoch eine Straße der Verwüstung durch Österreich. Menschen wurden in ihren Autos von Bäumen erschlagen, viele Dächer zerstört, Stromleitungen zerfetzten, Baugerüste und Kräne zum Einsturz gebracht und Wälder vernichtet.

 

Außertropische Winterstürme

Dieser Sturmtyp erreicht nicht die beeindruckende Stärke eines Hurrikans oder Tornados. Derartige Stürme erreichen Windgeschwindigkeiten über 300 km/h - möglicherweise sogar über 400 km/h. Winterstürme in Europa übersteigen nur selten bzw. nur in besonders exponierten Lagen eine Windgeschwindigkeit von 200 km/h. Jedoch haben Winterstürme schon vielfach katastrophale Schäden in Europa aber auch in Österreich angerichtet. Dies liegt an ihrer gewaltigen Ausdehnung und der oft langen Dauer der Sturmsituation. Auch die dichte Besiedelung und Industrialisierung der hauptsächlich von ihnen betroffenen Gebiete tragen zu den enormen Schäden bei. Das enorme Schadenpotential dieser Stürme wurde uns bei den Orkanen "Kyrill"; "Paula" und "Emma" wieder einmal vor Augen geführt.

Bei Sturm sind vor allem Winddruck (1) und Windsog (2) problematisch. Bei Böen werden die Auswirkungen noch verstärkt.
Personen werden bei Stürmen meist durch umstürzende Bäume, herabfallende oder herumfliegende Trümmer und Gegenstände verletzt oder sogar getötet.
So verloren z.B. beim Orkan "Kyrill" 47 und beim Orkan "Emma" 14 Menschen in Europa ihr Leben. Daher sollte in einer Sturmsituation jeder Aufenthalt im Freien vermieden werden. Gefährlich werden Winde und Böen ab einer Stärke von 8 auf der Beaufort-Skala.

(1) Der Winddruck oder auch Staudruck des Windes auf eine Fläche senkrecht zur Windrichtung ist eine wesentliche Größe zum Beispiel für die Konstruktion von Bauwerken.
(2) Windsog ist die auf der Leeseite (windabgewandte Seite) von Körpern (Dächer, Gebäude) auftretende abhebende (ziehende) Kraft. Windsog entsteht auch beim Vorbeistreichen der Luftströmung an einem Körper (Abheben von leichten Auflagen auf flachen Dächern).

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Beaufort-Skala

Die schon vor mehr als 150 Jahren von Admiral Beaufort entwickelte Windstärkenskala beschreibt die Windwirkungen an der Erdoberfläche in insgesamt 13 Stufen. Die Maßeinheit dieser Skala lautet daher Beaufort, abgekürzt bft. In unserer Tabelle sind nur die Auswirkungen an Land und nicht die Wirkung auf dem Meer beschrieben

Stärke

Bezeichnung

Auswirkungen an Land

m/sek *

km/h *

kg/m2 **

0 bft. Windstille Rauch steigt senkrecht auf 0,0 - 0,2 bis 1  
1 bft. leiser Zug Rauchablenkung sichtbar 0,3 - 1,5 bis 5 0 - 0,1
2 bft. leichte Brise im Gesicht spürbar 1,6 - 3,3 bis 11 0,2 - 0,6
3 bft. schwache Brise dünne Zweige bewegen sich 3,4 - 5,4 bis 19 0,7 - 1,8
4 bft. mäßige Brise Wimpel gestreckt, loses Papier fliegt 5,5 - 7,9 bis 28 1,9 - 3,9
5 bft. frische Brise größere Zweige bewegen sich 8,0 -10,7 bis 38 4,0 - 7,2
6 bft. starker Wind starke Äste bewegen sich, knatternde Fahnen 10,8 - 13,8 bis 49 7,3 -11,9
7 bft. steifer Wind Bäume bewegen sich 13,9 - 17,1 bis 61 12,0 - 18,3
8 bft. stürmischer Wind Autos geraten ins Schleudern 17,2 - 20,7 bis 74 18,4 - 26,8
9 bft. Sturm leichte Beschädigungen 20,8 - 24,4 bis 88 26,9 - 37,3
10 bft. schwerer Sturm entwurzelte Bäume 24,5 - 28,4 bis 102 37,4 - 50,5
11 bft. orkanartiger Sturm schwere Zerstörungen 28,5 - 32,6 bis 117 50,6 - 66,5
12 bft. Orkan Verwüstungen über 32,6 über 117 über 66,6

* Mittlere Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe ** Winddruck

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Die beste Chance, Sturmschäden zu reduzieren oder zu verhindern, besteht in der widerstandsfähigeren Auslegung von Bauwerken und aller anderen Komponenten wie zum Beispiel Plakatwänden, Satellitenantennen, Reklame- und Verkehrstafeln.
Allerdings reichen statische Berechnungen oft nicht aus, um den Wechselwirkungen zwischen Luftströmung und Objekten ausreichend Rechnung zu tragen. Der Wind ist nämlich eine höchst labile in Stärke und Richtung ständig stark wechselnde Größe von wirbelhafter Struktur.
Hauptursache für Winde sind Unterschiede im Luftdruck zwischen Luftmassen. Dabei fließen Luftteilchen aus einem Hochdruckgebiet solange in ein Tiefdruckgebiet, bis der Luftdruck ausgeglichen ist. In besonderen Situationen wird dabei die Windenergie so stark, dass es zu Stürmen kommt, die große Zerstörungen an der Natur und den von Menschen geschaffenen Objekten und Bauwerken verursachen können. Auch Menschen kommen bei solchen Ereignissen oft zu Schaden.

Sturm - Selbstschutztipps

Vorbeugen

Sturmschaden
Foto1, 2 und 3 unter: Creative Commons-licensed photos

Stürme und Orkane mit ihrer gewaltigen Kraft, zerstören Gebäude und Wälder, zerreißen Stromleitungen, knicken Hochspannungsmasten und fegen Autos von der Straße.
Dabei werden Menschen verletzt oder gar in den Tod gerissen.
Durch das Beachten einiger Verhaltensregeln könnte so manches Leid vermieden werden.

Eine stabile Dachkonstruktion und das feste Verankern mit Hilfe von Mauerankern und Metallbändern sind eine wichtige Voraussetzung zur Schadensvorbeugung. Glasflächen abdecken, im privaten Bereich eventuell mit Rollläden und im Gewerbe, zum Beispiel bei Gewächshäusern durch hagelsichere Glastypen.
Das Abspannen von Masten, Antennen und Schornsteinen zum Verhindern von langperiodischen Schwingungen und periodische Überprüfung dieser Objekte bringen Sicherheit. Umrüstung auf hagelsichere Dächer durch Betondachpfannen, verstärkte Bleche oder Spezialfolien mit Kiesschüttung und Seitenabdeckung.
Bei Sturmgefahr sollten Gerüste, Werbetafeln, Markisen, Partyzelte, Abdeckplatten und -planen fest verankert, oder abgebaut werden. Nicht befestigte Gegenstände, die sich außerhalb des Hauses im Garten befinden, in Sicherheit bringen (z.B. Mülltonnen, Wäsche, Blumenkübel, Werkzeuge, Gartenmöbel)!
Der Schutz vor Bäumen wird durch entsprechenden Abstand oder Zurückschneiden gebäudenaher Bäume erreicht. Vor allem Flachwurzler sollten nicht über die mittlere Firsthöhe des Gebäudes hinauswachsen. Rohbauten befinden sich oft in sturmgefährdeten Zwischenbauzuständen. Gefährdete Teile durch Abstützungen, Abspannungen oder Verstrebungen sichern.
Dächer regelmäßig auf lose Ziegel oder Bleche überprüfen. Ersatzdachziegel, Planen oder Folien zur kurzfristigen Vermeidung von Nässeschäden in Bereitschaft halten.  

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Verhaltensregeln und Tipps bei Sturm

  • Vorsicht bei Fahrten auf besonders exponierten Straßenabschnitten und Brücken - vor allem Gefahr für große Lastwagen und Wohnanhänger! Vorsicht beim Überholen, Lastkraftwagen können wie Spielzeug umgeworfen werden. Auch am Ende von Lärmschutzwänden und Tunnelausfahrten fegt der Sturm mit voller Kraft weiter.
    Beachten Sie die Tipps der Autofahrerklubs!

  • Meiden Sie Fahrten durch Waldgebiete und Alleen! Umstürzende Bäume und herabfallende Äste wurden schon manchen Autofahrern zum Verhängnis.

  • Vorsicht bei Freiluftveranstaltungen - es wird empfohlen derartige Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen rechtzeitig zu verlassen, beziehungsweise abzusagen.

  • Fenster zumachen (nicht nur kippen), wenn vorhanden, Rollläden oder Fensterläden schließen! Türen und Tore verriegeln, größere zusätzlich blockieren!

  • Verlassen Sie bei Sturm schützende Räume nicht - herabstürzende Trümmer, umstürzende Bäume oder zerstörte elektrische Leitungen gefährden Sie! Plakatwände, Antennen, Blumentröge oder Kaminabdeckungen können zu Geschossen werden. Auch umstürzende Mauern haben so manches Opfer gefordert.

  • Wenn Ihr Haus von hohen Bäumen umgeben ist, halten Sie sich nicht im Dachgeschoß auf! Meiden Sie auch Fensterflächen, die zu Bruch gehen könnten!

  • Vermeiden Sie den Aufenthalt in Parks, Waldgebieten und auf Friedhöfen! Herabfallende Äste, umstürzende Bäume oder Grabsteine sind eine Gefahr.

  • Lassen Sie sich nicht von plötzlich eintretender Windstille täuschen! Schalten Sie das Radio zur weiteren Information über die Wetterentwicklung ein!

  • Wenn Sie sich im Freien aufhalten müssen, meiden Sie die Nähe von Gebäuden, Gerüsten, hohen Bäumen und Strommasten!

  • Parken Sie Fahrzeuge nicht in der Nähe von Häusern oder hohen Bäumen! Parken Sie Ihr Fahrzeug besser in einer Garage! Keine Unterführungen für Parkzwecke benutzen, um Rettungskräften freie Zugangswege zu den Einsatzorten zu gewähren.

  • Bei Stürmen Zelte und Wohnwagen verlassen, da aufgrund mangelnder Verankerung Umsturzgefahr besteht.

  • Überprüfen Sie vor dem Sturm Ihre Taschenlampen bzw. Notstromversorgung - Gefahr von Stromausfällen.

  • Beginnen Sie allfällige Aufräumarbeiten erst nach Ende des Sturmes. Achten Sie dabei auf ausreichenden Abstand zu möglicherweise einsturzgefährdeten Bauten sowie zu abgerissenen Stromleitungen!

  • Denken Sie auch an Menschen in Ihrer Umgebung, die hilfsbedürftig sind oder die kein Deutsch verstehen. Sie benötigen Ihre Unterstützung.

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Hilfe durch die Feuerwehr

Ein flächendeckendes Feuerwehrsystem garantiert in Niederösterreich rasche Hilfe. Bei Sturm kann es in der Regel innerhalb einer kurzen Zeitspanne zu einer Vielzahl von Schadensmeldungen kommen. Dies führt zu einer entsprechend hohen Anzahl gleichzeitig zu bewältigender Einsätze. Unter Umständen kann das Einsatzpotential der Feuerwehr soweit ausgelastet sein, dass es zu längeren Wartezeiten bis zum Eintreffen von Hilfskräften kommt.
Grundsätzlich wird jeder Anruf über die Notrufnummer 122 aufgenommen und je nach Dringlichkeit bearbeitet. Es ist wichtig, den Schaden möglichst genau zu schildern, z.B. ob Personen verletzt sind oder eine weitere Gefährdung vorhanden ist. Aufgrund Ihrer Schilderung der Lage entscheidet die Feuerwehr über die Dringlichkeit, um jedem Hilfeersuchen, abhängig von der Schwere des Ereignisses, schnell und gut nachzukommen.

Was tun bei Schäden?

Im Schadensfall ist allen zu empfehlen, ihren Schaden bestmöglich zu dokumentieren. Genaue Adressen- und Datums-/ Zeitangaben sind unbedingt erforderlich. Allfällige Zeugen sollten um Namen und Adressen ersucht werden; auch Fotos sind für die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen nützlich.
Sowohl der Hauseigentümer als auch der Geschädigte sollten so rasch wie möglich bei der Versicherung und Gemeinde eine Schadensmeldung erstatten.

Nach der Katastrophe

Auch nach einer Sturmkatastrophe nehmen die Schadenskommissionen und Sachverständige der Versicherungen und Gemeinden ihre Arbeit unverzüglich auf. Sie besichtigen die Schäden. Wer nach dem Sturm Schäden an seinem Eigentum feststellt, soll dies einerseits der Versicherung und andererseits der Gemeinde melden. Beide schicken dann Sachverständige aus, die den Fall begutachten.

Katastrophenfond

Ist ein Sturmschaden nicht von einer Versicherung gedeckt, dann gibt es die Möglichkeit, Hilfe aus dem Katastrophenfonds des Landes zu bekommen. Orkanschäden gelten nach dem Katastrophenfondsgesetz als außergewöhnliches Ereignis. Sofern Schäden im Vermögen physischer und juristischer Personen aufgetreten sind, können sich diese Personen an die Gemeinden bzw. den Bürgermeister/die Bürgermeisterin wenden und um die Gewährung von Beihilfen zur Behebung von Katastrophenschäden ansuchen.
Allfällige Schäden sind nach den Richtlinien für die Gewährung von Beihilfen zur Behebung von Katastrophenschäden von im Bedarfsfall einzurichtenden Schadenserhebungskommissionen aufzunehmen.
Die Richtlinien mit den Vorgaben für die Schadensaufnahmen und den Voraussetzungen für eine allfällige Förderung sind im Internet unter: http://www.noe.gv.at/Land-Zukunft/Katastrophenschutz.html abrufbar.

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