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Erdbebenvorhersage |
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Vorweg die Feststellung: Brauchbare Erdbebenvorhersagen sind bisher nur in
einzelnen Fällen gelungen, erstmals am 4, Februar 1975 in China; eine bestimmte Methode
zur Prognose von Erdbeben existiert derzeit nicht.
Erdbebenvorläufer
Die Energie tektonischer Beben geht von den gebirgsbildenden Kräften aus.
Sie sammelt sich im Laufe der Zeit in der Erdkruste in Form von elastischer
Spannungsenergie an. Je stärker ein Beben ist, desto mehr Energie muss vorher im
zugehörigen Herdvolumen gespeichert worden sein, Durch diesen Aufbau von Spannungsenergie
kommt es im Herdbereich sowie in dessen naher Umgebung zu Veränderungen, deren Folgen
Erdbebenvorläufer sind. Der im Herdvolumen mechanisch zunehmend stark beanspruchte Fels
erfährt nicht nur Deformationen, sondern es treten auch Mikrorisse sowie Veränderungen
der magnetischen, elektrischen, thermischen und sonstigen physikalischen
Materialeigenschaften auf. An der Erdoberfläche, besonders im künftigen
Epizentralbereich, können Deformationen und Neigungsänderungen auftreten, die auch den
Wasserstand in Brunnen merklich beeinflussen oder die Schüttung von Quellen verursachen
können. Der Austritt von Bodengasen (Erdgas, Radon und dgl.), bzw. deren Konzentration in
Tiefenwässern kann vor Starkbeben ebenfalls eine unübersehbare Steigerung erfahren.
Nicht zuletzt sind auch an Zahl und Stärke zunehmende Vorbeben denkbar, vergleichbar mit
dem Knistern im Gebälk eines Hauses, bevor es einstürzt.
Zumindest auf einige der genannten Erdbebenvorläufer können empfindsam
Tiere schon geraume Zeit vor einem großen Bebenereignis atypisch reagieren. Doch darf
nicht jede atypische Reaktion einzelner Tiere als Hinweis auf ein bevorstehendes Beben
gedeutet werden. Für eine Erdbebenvorhersage, die Angaben über Zeit, Ort, Stärke und
Eintrittswahrscheinlichkeit enthalten muss, können im Prinzip alle denkbaren
Erdbebenvorläufer herangezogen werden. Sie müssen nur nachweisbar sein, und man muss sie
auch richtig deuten können. Zu letzterem braucht man aber genügend Erfahrung aufgrund
von sehr umfangreichem Beobachtungsmaterial.

Seismisches Überwachungssystem
Vor allem in den klassischen Erdbebenländern mit vielen Starkbeben und
hohem Gefährdungspotential wird die Erdbebenforschung im Hinblick auf eine künftige
Bebenvorhersage mit großem Aufwand betrieben. In Österreich befasst sich der
Erdbebendienst, seinen Möglichkeiten entsprechend, vorerst mit der Verdichtung, bzw.
Modernisierung des mikroseismischen Messnetzes, um eine genaue Kenntnis über die aktiven
Störungszonen und deren individuellen Herdmechanismen zu erhalten und um aktuelle
Ereignisse umgehend nach Ort und Stärke erfassen zu können. Mit Hilfe dieser Kenntnisse
kann man schon jetzt den Einsatz der Katastrophenhilfsdienste effektiver gestalten, die
Stärke des wahrscheinlich stärksten Nachbebens rasch abschätzen und so vor einer
allenfalls drohenden Gefahr durch Nachbeben zeitgerecht warnen.
Die Modernisierung des seismischen Netzes in Österreich ist
gleichbedeutend mit dem Übergang von einer Analogregistrierung der Beben, also einer
Sichtregistrierung am Ort des Schwingungsaufnehmers, zu einer digitalen, zahlenmäßigen
Messwerterfassung mit Datentelemetrie über Funk und/oder Datenleitungen zur
Auswertezentrale des Erdbebendienstes an der Zentralanstalt für Meteorologie und
Geodynamik in Wien sowie mit der Einrichtung lokaler Netze in ausgeprägten
Erdbebengebieten. Die erste Ausbauphase ein Gemeinschaftswerk von Land Tirol, Stadt
Innsbruck und Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Zentralanstalt für
Meteorologie und Geodynamik wurde im Großraum Innsbruck abgeschlossen. Das Fernziel
dieser Forschungen ist natürlich die Erdbebenvorhersage, die aber in naher Zukunft noch
nicht möglich sein wird. Solange eine brauchbare Erdbebenvorhersage nicht zur Verfügung
steht, erzielt man den wirksamsten Schutz vor Erdbeben
- durch erdbebensicheres, normgerechtes Bauen sowie durch
eine entsprechende Verstärkung von Altbauten in Erdbebengebieten,
- durch den Unterhalt effektiver Katastrophenhilfsdienste,
- durch die Schulung der Bevölkerung im Hinblick auf das
richtige Verhalten im Falle von Starkbeben.

    [Schutzmaßnahmen]
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