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Chemieunfall - in der Vergangenheit |
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Großunfälle der
Vergangenheit
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| Die folgenden Beispiele einiger großer Industrieunfälle der letzten 25 Jahre sollen
bewusst machen, welche Auswirkungen Unfälle mit gefährlichen Stoffen haben können. In
der Datenbank der EU, die derartige Unfälle erfasst, sind seit 1984 etwa 350 Vorfälle
registriert. Bekannte Industrieunfälle, wie in Mexiko City sind in dieser
Aufzählung nicht enthalten, um deutlich zu machen, dass auch bei der hochentwickelten
europäischen und nordamerikanischen Sicherheitstechnik Großunfälle möglich waren und
sind. |
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1974 Flixhorough, England
50.000 t Zyklohexan - ein leicht entzündbares Gas - entweichen nach einem
Rohrleitungsbruch und explodieren. Das 24 ha große Werksgelände wird verwüstet, die
Flammen des nachfolgenden Brandes erreichen Höhen bis zu 100 m. 28 Tote und 89 Verletzte
sind die Folge. Im Umkreis von 3,5 km werden 90 % der Wohnungen beschädigt. Die
unmittelbare Ursache ist der Bruch eines provisorischen Verbindungsrohres, welches ohne
vorhergehende Berechnungen als Notbehelfsmaßnahme installiert wurde.
1976 Seveso, Italien
Ein unvorhergesehener Druckanstieg in einem Reaktor zur Produktion von Trichlorphenol,
einem Vorprodukt zur Erzeugung von Kunststoffen und Insektenvernichtungsmitteln, führt zu
einem Austritt einer Aerosolwolke. Als Sicherheitsmaßnahme ist für einen derartigen Fall
eine Berstscheibe installiert, welche allerdings nur die Ableitung des Überdruckes
gewährleistet. Da kein Auffangbehälter zur Zurückhaltung der ausgetretenen Substanzen
vorgesehen ist, gelangen diese in die Umgebung. In der Aerosolwolke sind Verunreinigungen
an 2, 3, 7, 8 - Tetrachloridibenzo-P-Dioxin (TCDD), kurz Dioxin genannt, enthalten. Die
Gesamtmenge des ausgetretenen hochgiftigen Dioxins beträgt ca. 600 g.
Es ist bis heute unmöglich, die Auswirkungen dieses Unfalles genau abzuschätzen. 736
Personen wurden aus einem 95 ha großen Gebiet evakuiert. Die gesamten Einrichtungen des
Betriebes und die oberste Bodenschicht der Umgebung mussten an eine eigens eingerichtete
und speziell abgedichtete Deponie verbracht werden.

1984 Bhopal, Indien
Noch viel schlimmer war das Ausmaß der Giftgaskatastrophe in Bhopal. Aus einer
Chemiefabrik entwichen am 3. Dezember 1984 45 Tonnen hochgiftige Gase. 2.500 Menschen
starben, 3.000 erkrankten schwer und 150.000 mussten medizinisch versorgt werden.
1986 Basel, Schweiz
In einer Lagerhalle entsteht aufgrund von Brandstiftung oder eines schadhaften
Folienschrumpfgerätes ein Brand. In der Halle befinden sich 1.250 t Lagergüter, zum
Großteil Pestizide. Als Folge gelangen große Brandgasmengen, bestehend aus teilweise
verbrannten und unverbrannten Chemikalien, mehrere hundert Meter in die Luft. Die Bewohner
der Umgebung klagen über Geruchsbelästigung, Reizung der Augen und der Atemwege. Das
Feuer wird mit erheblichen Wassermengen gelöscht, was allerdings dazu führt, dass das
Kanalsystem vollständig überfordert ist. Ca. 10.000 m3 des mit hochtoxischen
Stoffen verschmutzten Löschwassers werden in den Rhein geleitet. In den folgenden Tagen
wurde sichtbar, dass der größte Teil der Fauna des Flusses zerstört war. 500 km des
Rheins waren von dieser Umweltkatastrophe betroffen.
1993 Frankfurt, Deutschland
Bei der Produktion von o-Nitroanisol kommt es zu einer Fehlreaktion. Durch Ausfall eines
Rührwerks steigt der Druck im Reaktor so stark an, dass das vorhandene Sicherheitsventil
anspricht und ein Teil des Kesselinhalts in die Atmosphäre gelangt. Weite Bereiche der
angrenzenden Stadtteile von Frankfurt werden mit einem staubförmigen Niederschlag
überzogen, welcher nach ersten Mitteilungen als "mindergiftig" bezeichnet wird,
anschließend aber mit großem Aufwand von Kinderspielplätzen, Balkonen usw. entfernt
werden musste.

1994 Zürich, Schweiz
Die Entgleisung und anschließende Explosion eines Güterzuges mit 20 benzingefüllten
Tankwaggons verwandelt am 8. März 1994 den kleinen Ouartierbahnhof von Zürich -
Affoltern in ein Flammeninferno und die Umgebung in eine Brandwüste. 320.000 Liter Benzin
laufen aus, versickern im Erdreich oder verbrennen. Benzindämpfe breiten sich in der
Kanalisation aus. Aufgrund von Explosionen werden Kanaldeckel auch noch in Entfernungen
von einigen Kilometern in die Luft geschleudert. Ein mit durchschnittlich 20 Kesselwagen
zusammengestellter Zug befördert ca. 1,5 Millionen Liter Benzin.
1996 Weyauwega, USA
Ein Güterzug mit 81 Waggons entgleist während der Durchfahrt durch Weyauwega, Wisconsin,
USA. Ursache des Unfalles ist eine defekte Gleisanlage. Der Unfall bedeutet eine
unmittelbare Gefahr für die lokale Bevölkerung. Von den 31 entgleisten Waggons geraten
sechs Flüssigpropangaswaggons sofort in Brand. Weitere 8 Waggons mit gleichem Inhalt sind
umgestürzt. Insgesamt sind diese 14 Waggons mit etwa 750 Tonnen Flüssigpropangas
gefüllt. Neben den Gleisanlagen befindet sich eine Käsefabrik, die für ihre Zwecke
einen Lagertank mit 7,5 Tonnen Ammoniak gefüllt hatte. Dieser Lagertank ist durch die in
der Nähe liegenden, beschädigten und brennenden Waggons extrem gefährdet. Aufgrund der
Explosionsgefahr müssen etwa 1.800 Menschen aus der Gefahrenzone (2,5 km Radius)
evakuiert werden. Die Sanierungsarbeiten dauern 14 Tage.
1997 Hochstraß, Österreich
Auf der Wiener Außenringautobahn gerät bei Hochstraß ein Tankwagen durch einen
technischen Defekt in Brand. Der Tankwagen ist mit 21 Tonnen Isobutyraldehyd - einem
hochexplosiven und giftigen Stoff - gefüllt. Insgesamt werden 26 Feuerwehrfahrzeuge und
136 Mann zur Gefahrenbekämpfung eingesetzt. Die Autobahn wird gesperrt und die Bewohner
angrenzender Ortschaften aufgerufen, ihre Fenster geschlossen zu halten und die Häuser
nicht zu verlassen. Erst 19 Stunden später kann die Autobahn wieder für den Verkehr
freigegeben werden. Der Unfall brachte den Verkehr in weiten Teilen Wiens zum Erliegen.

   
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