Starkschneefall
Der Winter kommt! Eine Meldung die von vielen Wintersportlern, Hotel- und Schiliftbesitzern mit Freude erwartet wird. Weniger Freude haben die Autofahrer und Hausbesitzer. Bei vielen löst diese Meldung fast Angstzustände aus. Man denke nur an die Winter zurück, wo intensive Schneefälle zu massiven Schäden an Dächern, zu Gebäudeeinstürzen sowie zur Zerstörung von Hochspannungsmasten geführt haben.
Zahlreiche Menschen waren Tag und Nacht, oft bis zur Erschöpfung, mit dem Abschaufeln der Dächer beschäftigt. Wobei ungesicherte Personen oftmals abstürzten und sich schwere, manchmal sogar tödliche Verletzungen zuzogen.
Wie werden Schneelasten ermittelt?
Die Berechnung von Schneelasten, die auf Dächern und anderen Bauteilen zu liegen kommen sind für Österreich im EUROCODE ÖNORM EN 1991-1-3 und dem dazu gehörenden "Nationalen Anhang" ÖNORM B 1991-1-3, sowie in der ÖNORM B 4000 geregelt. Sie ersetzt seit dem 1. Jänner 2006 die bisher gültige ÖNORM B 4013.
Die damit in Kraft getretenen Änderungen bringen - je nach Standort - eine Erhöhung der zu berücksichtigenden Schneelast. Wegen der neuen Schneenorm wird jedem Hausbesitzer die Überprüfung und Anpassung seiner Dachkonstruktion an die aktuellen Regeln der Technik empfohlen.
Wie schwer ist Schnee eigentlich?
Je höher der Wasseranteil ist, desto schwerer ist der Schnee. Schnee ist je nach Feuchtigkeit und Dichte zwischen 30 und 900 kg je m3 schwer. Der Grund dafür ist, dass Schnee in seinen verschiedenen Zustandsformen unterschiedlich dicht gelagert und daher verschieden schwer ist. Pulverschnee ist leichter als Nassschnee und Nassschnee ist leichter als Eis.
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Schneeart |
Gewicht pro m3 |
Schneehöhe von 100 kg pro m2 |
| Trockener, lockerer Neuschnee | 30 - 50 kg | ca. 2 - 3 m |
| Gebundener Neuschnee | 50 - 100 kg | ca. 1 - 2 m |
| Stark gebundener Neuschnee | 100 - 200 kg | ca. 0,5 - 1 m |
| Trockener Altschnee | 200 - 400 kg | ca. 25 50 cm |
| Feuchtnasser Altschnee | 300 - 500 kg | ca. 20 - 35 cm |
| Mehrjähriger Firn | 500 - 800 kg | ca. 12 - 20 cm |
| Eis | 800 - 900 kg | ca. 11 - 12 cm dick |
Schneeräumung vom Dach
Die Wetterdienste warnen über Rundfunk, Fernsehen, Internet und Presse vor starken Schneefällen und Schneeverwehungen.
Bei solchen Wetterwarnungen sollte man sich Gedanken machen, ob das Dach vorsorglich von Altschnee befreit werden muss, oder ob es noch in der Lage ist, zusätzlich zur vorhandenen Altschneebelastung, die angekündigte Schneebelastung schadlos aufzunehmen.
Wenn man selbst nicht in der Lage ist den Schnee vom Dach zu räumen, sollte man ein entsprechendes Unternehmen beauftragen. Eventuell bei der Gemeinde oder Feuerwehr nachfragen, wer solche Arbeiten durchführt.
Tipps zum Dachabschaufeln
- Vor dem Betreten des Daches überprüfen, ob es die zusätzliche Belastung noch aushalten kann
- Überprüfen, ob die Dacheindeckung für ein Betreten geeignet ist.
- Im Zweifelsfalle sollte ein Fachmann beigezogen werden, der beurteilen kann, ob ein gefahrloses Betreten noch möglich ist.
- Wegen Absturzgefahr auf Dachflächenfenster oder sonstige Dacheinbauten, die durch Schnee verdeckt sein könnten, achten.
- Auf die Statik des Dachstuhls Rücksicht nehmen, es könnte z.B. Stabilitätsprobleme geben, wenn das Dach einseitig vom Schnee geräumt wird.
In der Regel empfiehlt es sich, das Dach auf beiden Seiten möglichst gleichmäßig zu entlasten und den Schnee abschnittsweise und dabei jeweils abwechselnd auf der einen und der anderen Dachseite abzutragen. Eventuell auch hier den Rat eines Fachmanns einholen. - Besonders auf die Absturzsicherung der Personen, die bei der Räumung des Daches tätig sind, achten.
Überprüfung des Daches von Fachpersonal
Nach einem Winter mit hohen Schneelasten und langer Verweilzeit des Schnees auf dem Dach empfiehlt es sich, den Zustand der Dachkonstruktion von einem Fachmann überprüfen zu lassen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Dachkonstruktion bereits erkennbare Schäden wie Verformungen, Risse und lockere Verbindungen aufweist.
Wartung eines Daches
Für eine lange Lebensdauer von Dächern ist eine regelmäßige Überprüfung unerlässlich. Überprüfen Sie daher den Gesamtzustand der Konstruktion auf äußerlich erkennbare Alterungserscheinungen wie:
- Risse, mechanische Beschädigungen und Durchbiegen von Balken
- Verschmutzungen (Pilzbefall, Verfärbungen etc.)
- Feuchtstellen, Kondensatbildung, Tropfstellen
- Verrostung von metallischen Tragwerkskonstruktionen
- Überprüfung der Dachhaut auf undichte Stellen
Wenn Sie Mängel entdecken, sollten Sie unbedingt einen Fachmann (Zimmermann, Dachdecker, Dachspengler) zu Rate ziehen. Notwendige Reparaturen nicht hinausschieben, der Schaden wird immer größer und die Traglast eventuell immer geringer.
In den vergangenen Wintern war nicht die Schneelast alleine der Grund für das Versagen so mancher Baustruktur. Chronische Schäden und mangelnde Wartung führten zum Einsturz von Supermärkten, Sporthallen und Wohnhäusern. Dabei wurden Kinder und Erwachsene verschüttet und einige überlebten diese Katastrophen leider nicht.
Verantwortung
Laut den Bauvorschriften haben Bauwerkseigentümer dafür zu sorgen, dass ihr Bauwerk in einem der Baubewilligung und den baurechtlichen Vorschriften entsprechenden Zustand erhalten wird. Daher ist eine laufende Überprüfung und Wartung durch den Eigentümer durchzuführen oder zu veranlassen.
Maßnahmen im Ernstfall
- Abschaufeln der Dächer (Achten Sie unbedingt auf die Absturzsicherung!)
- Unterstützung der Konstruktion, wenn notwendig Experten einbeziehen.
- Sollte Einsturzgefahr befürchtet werden, das Objekt sofort räumen und Fachleute (Statiker, Baumeister, Feuerwehr) beiziehen.