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Möglichkeiten zur Verringerung der Aufnahme radioaktiver Stoffe

Kontamination von Pflanzen

Die Verminderung der Kontamination des Pflanzenbewuchses durch Verhinderung der Deposition ist nur durch geschützte Pflanzenkultur (Glashaus, Folientunnel) gegeben. Diese Möglichkeit ist quantitativ begrenzt und vor allem für Gemüse von Bedeutung.

Das Einsparungspotential durch Verkaufsverbote direkt kontaminierter pflanzlicher Nahrungsmittel ist groß (je nach Jahreszeit z.B. Salat, Blattspinat, Getreide, Obst). Pflanzen, bei denen die Blätter kontaminiert wurden, die zum Verzehr bestimmten Pflanzenteile aber nur durch Translokation (Verlagerung von Radionukliden in der Pflanze) belastet wurden, sind schon als wesentlich weniger kritisch einzustufen. Als Beispiel dafür sei die Kontamination von Getreide in einer frühen Wachstumsphase angeführt. Die Getreidekörner weisen im Durchschnitt (Cäsium 137) eine um den Faktor 10 geringere Konzentration auf, als das direkt kontaminierte Stroh. Pflanzen, die ausschließlich über den Boden-Pflanze-Transfer kontaminiert werden, liegen zumindest eine weitere Größenordnung niedriger.


Zur Verringerung des Boden-Pflanze-Transfers von Radionukliden sind folgende Maßnahmen denkbar:

  • tiefes Pflügen, um die Radionuklide stärker zu Verdünnen; diese Maßnahme ist besonders aussichtsreich für Dauerwiesen, die Kontamination der Pflanzen wird zumindest auf die Hälfte vermindert;
  • Erhöhung des pH-Wertes der Böden durch Aufkalkung saurer Standorte, die zumeist eine erhöhte Radionuklidverfügbarkeit für Pflanzen aufweisen;
  • Düngung von Böden mit Kalium, die von sich aus geringe Kaliumgehalte aufweisen; diese Maßnahme führt zu einer Verringerung der Cäsiumaufnahme.

Als weitere Maßnahme ist die Änderung der Fruchtfolge in Richtung jener Pflanzen zu nennen, die vergleichsweise geringe Radionuklidaufnahmen aus dem Boden zeigen. So sollte auf höher kontaminierten Flächen dem Getreideanbau gegenüber dem Anbau von Futterpflanzen der Vorzug gegeben werden.

Kontamination tierischer Produkte

Die Radionuklidkonzentrationen in tierischen Produkten richten sich in erster Linie nach der Kontamination des Futters. Das heißt, dass es insbesondere bei jenen Haustieren Probleme geben kann, die mit direkt kontaminierten Pflanzen gefüttert werden. Dies ist vor allem bei Milchkühen, Schafen, Ziegen und Mastrindern der Fall.

Folgende Maßnahmen sind denkbar:

  • Änderung der Futterzusammensetzung; Zukauf schwächer kontaminierter Futtermittel
  • Teilung der Mastperiode in eine Anfangsmast mit kontaminiertem und einer Endmast mit wenig kontaminiertem Futter (dies scheint eine besonders ökonomische Methode zu sein);
  • Einsatz von Futterzusatzstoffen zur Verminderung der Cäsium-Resorption im Magen-Darm-Trakt; als besonders wirkungsvoll haben sich große Pillen aus Hexacyanoferrat und Gesteinsmehl herausgestellt, die in den Tiermagen eingebracht werden und den Wirkstoff langsam abgeben.

Kontamination von Nutztieren

Halten sich Tiere beim auftreten eines radioaktiven Niederschlags im Freien auf, kann es zu einer Kontamination dieser Tiere kommen. Bei den Tieren, die sich im freien Gelände aufgehalten haben, ist der Rücken am stärksten mit radioaktivem Staub belastet. Tiere die auf eine belastete Weide gebracht werden, weisen eine höhere Belastung an der Bauchpartie auf. Um die Tiere vor einer weiteren Belastung zu schützen, muss der radioaktive Staub beseitigt werden.

Bei der Entstrahlung wird zwischen nasser und trockener Behandlung unterschieden.

  • Die trockene Behandlung

Sie führt man vor allem in der kalten Jahreszeit, oder wenn Wasser nicht verfügbar ist, durch. Dabei werden mit Hilfe von Staubsaugern die radioaktiven Stoffe von der Haut beseitigt. Zur trockenen Behandlung von Schafen gehört auch das Scheren der Tiere. Eine trockene Behandlung ist auch ohne Staubsauger mittels Besen und Bürsten möglich. Allerdings ist diese Methode wenig effektiv und nicht ungefährlich. Es werden bei dieser Methode nur ca. 24% der radioaktiven Stoffe entfernt und eine Kontamination des Tierpflegepersonals ist durch den direkten Kontakt mit den radioaktiven Produkten möglich.

  • Die nass Behandlung

Bei der nassen Behandlung werden die Tiere zuerst mit warmen Lösungen von Waschmitteln, danach mit reinem Wasser abgewaschen. Auf diese Weise werden ca. 70-90% der radioaktiven Stoffe entfernt. Bei schwacher Verstrahlung genügt es oftmals schon, die Haut der Tiere mit nassen Lappen oder ähnlichem Material abzureiben.
Bei der nassen Behandlung wird je ein Tier von zwei Personen mit Bürsten, besser noch mit Bürstenduschen bearbeitet. Die Griffe der Bürsten sollten ca. 80-100 cm lang sein.
Durch die Bürstenduschen gibt man nacheinander Seifenlösung zum Lösen des Staubes und anschließend klares Wasser. Das Wasser sollte eine Temperatur von 25-30o C haben. Der Druck sollte 2-2,5 bar nicht überschreiten.
Mit der Waschlösung werden die Tiere 3 Minuten lang sorgfältig abgewaschen. Die Behandlung beginnt dabei am Kopf der Tiere, anschließend folgen Hals und Rücken. Danach wird mit klarem Wasser ca. 2 Minuten lang abgespült.
Für ein Rind werden im Durchschnitt 30 l Waschlösung und 20-30 l klares Wasser benötigt, für ein ausgewachsenes Schwein 4,5 l und für ein geschorenes Schaf 10-12 l Waschlösung.

Wird bei der Entstrahlung der gewünschte Erfolg nicht erzielt, muss die Behandlung wiederholt werden.

Einfluss der Lebensmittelverarbeitung auf die Radionuklidgehalte von Nahrungsmitteln

Vor dem Verbrauch von Nahrungsmitteln vergeht aufgrund des Transportes, der Lagerung und der Verarbeitung eine gewisse Zeitspanne. Daher muss die physikalische Halbwertszeit bei kurzlebigen Radionukliden herangezogen werden um den Aktivitätsverlust zu quantifizieren.

Die Veränderung des Radionuklidgehaltes durch Lebensmittelverarbeitung wird berechnet mit Hilfe des Fp-Wertes, der als Quotient der Gesamtmenge an Radioaktivität im verarbeiteten Lebensmittel und der Gesamtmenge an Radioaktivität im Rohmaterial definiert ist.

Die Radionuklidkonzentrationen in der Nahrung werden durch Be- und Verarbeitungsprozesse (z.B. Mahlen von Getreide) stark beeinflusst. Es ist daher durchaus möglich, die Belastung mit radioaktiven Stoffen  gezielt zu vermindern.

  • Durch die Befreiung der Pflanzenoberfläche von anhaftenden Staub- und Bodenteilchen (Waschen von Gemüse, Schälen von Kartoffeln)
    der Auslaugung der in den Lebensmitteln befindlichen Radionuklide (Kochen von Gemüse). unter Beseitigung des Kochwassers.
  • Auch das Kochen von Fleisch ohne Verwendung der Suppe führt zu einer signifikanten Verringerung der Radionuklidingestion. Die genannten Prozesse vermindern die Gehalte an Radiostrontium und -cäsium um 20 bis 50%.
  • Die Verarbeitung von cäsiumkontaminierter Milch sollte mehr in Richtung Rahm, Butter, Buttermilch und Käseerzeugung erfolgen. Diese Produkte sind deutlich gegenüber der Rohmilch abgereichert. Die bei der Verarbeitung anfallende Molke weist im Vergleich zum Durchschnittswert der verwendeten Milch eine höhere Belastung mit radioaktiven Stoffen auf. Wird diese Molke zur Schweinemast verwendet, führt dies zu einer höheren Belastung im Fleisch dieser Tiere. Ist die Belastung zu hoch, wird das Verwenden von Molke zur Schweinemast durch die Behörde eingeschränkt oder verboten.
  • Um Grenzwertüberschreitungen zu verhindern, können bei der Verarbeitung nicht belastete Produkte mit höherbelasteten gemischt werden.

Eine andere Möglichkeit der Verringerung der Cäsiumgehalte in Milchprodukten wäre die direkte Entfernung durch Ionenaustauscher, wobei die Frage der Qualitätsminderung für den menschlichen Konsum noch ungeklärt ist.

 
 
 
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