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Gefahren in Industriezweigen

Gefährliche Stoffe wie explosive, brennbare, giftige oder ätzende Substanzen nehmen in vielen Industriezweigen einen wichtigen Stellenwert ein. Obwohl die Gefährdungen durch den Umgang mit gefährlichen Stoffen bekannt sind, lassen sich Störfälle bei Gefahrguttransporten oder in Industrieanlagen trotz großer Sicherheitsvorkehrungen nicht gänzlich ausschließen.

Typische Auslöseereignisse

  • Ein Leck in einem Behälter für brennbare Stoffe.
    Es kommt zum unkontrollierten Austreten dieses Stoffes und zur Vermischung mit Luft. Die so entstandene zündfähige Wolke driftet zu einer Zündquelle ab, was zum Brand oder einer Explosion führt.

  • Ein Leck in einem Behälter für giftige Substanzen.
    Es kommt zur Bildung einer toxischen Gaswolke und ihrer unkontrollierten Ausbreitung in bewohnte Gebiete außerhalb des Betriebes.

Beim Austreten brennbarer Stoffe ist die Gefahr dann am größten, wenn es sich um flüchtige Flüssigkeiten oder Gase handelt, die in verhältnismäßig kurzer Zeit in großer Menge freiwerden und ein zündfähiges Gemisch bilden. Die Gefährlichkeit solcher explosiven Wolken hängt aber von vielen Faktoren, wie etwa der Windgeschwindigkeit oder der Konzentration der Gefahrstoffe in der Wolke ab. Gefährdungen für Menschen und Gebäude entstehen durch Hitzestrahlung und Druck, in bestimmten Ausnahmefällen auch durch Trümmerflug nach Explosionen. Diese Auswirkungen sind allerdings in den allermeisten Fällen auf Distanzen von einigen 100 Metern beschränkt. Demgegenüber sind toxische Gaswolken imstande, die Gesundheit von Menschen in einer weit größeren Distanz zu gefährden. Theoretisch könnten derartige Wolken - entsprechende Wetterbedingungen vorausgesetzt - auch noch in einigen Kilometern Entfernung tödliche Konzentrationen aufweisen.

Die meisten Industrieanlagen können beide beschriebenen Unfallabläufe hervorrufen. Eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Anlagenart ist daher kaum möglich. Auch Sekundärauswirkungen sind möglich. Beispielsweise kann als Folge einer Explosion ein nahegelegener Behälter für giftige Substanzen leck werden.

Industriezweige mit erhöhtem Gefahrenpotential

Schwere Unfälle mit gefährlichen Stoffen treten meist in Zusammenhang mit Bränden, Explosionen oder dem Austritt giftiger Chemikalien auf. Solche Unfälle sind in der Regel Folgeerscheinungen des Freiwerdens einer gefährlichen Substanz aus einer vermeintlich sicheren Umschließung.

Chemieindustrie

In Österreich konzentriert sich die produzierende Chemieindustrie hauptsächlich auf den Raum Linz. Dazu kommen noch etwa 10 Standorte großer produzierender Chemiebetriebe, die auf ganz Österreich verteilt sind. Der allergrößte Teil der anderen Chemiebetriebe sind reine Lagerstätten mit großen Unterschieden in den Lagerkapazitäten.

Papier- und Zellstofferzeugung, Spanplatten- und Schaumstofferzeugung

Betriebstypen dieser Art zählen aufgrund der in großen Mengen verwendeten gefährlichen Substanzen (Schwefeldioxid, Methanol, Formaldehyd) zu den besonders gefährdeten Industriezweigen.

Lebensmittelindustrie, Kühlhäuser, Sportstätten

Diese Anlagen gehören zur Gruppe der Ammoniakverwender und sind deshalb als potentielle Großunfallverursacher zu nennen.

Düngemittellager

Düngemittellager, speziell für den landwirtschaftlichen Gebrauch, findet man an vielen Standorten in Österreich. Die Lagerkapazitäten sind jedoch sehr unterschiedlich. Düngemittel (Ammoniumnitrat) gelten wegen der im Brandfall entstehenden giftigen Brandgase als "sensible Substanzen".

Sprengstoff- und Munitionserzeugung

In Österreich gibt es mehrere Lagerstätten und Erzeugungsbetriebe für zivile Sprengstoffe und Munition. Prinzipiell sind auch diese Betriebe geeignet, einen großen Schaden in der Nachbarschaft hervorzurufen. Allerdings ist seit dem Jahr 1938, die Bebauung in der Umgebung derartiger Betriebe stark eingeschränkt.

Raffinerien und Lagerstätten für brennbare Flüssigkeiten

Auch hier sind große Unterschiede in den Lagerkapazitäten vorhanden, die von der einzigen Raffinerie Österreichs in Schwechat bis zu oberirdischen Lagerstätten mit nur einigen tausend Litern Inhalt reichen. Eine Gefahr für die Bevölkerung ist jedoch nur bei einem Brand vergleichsweise großer Mengen gegeben.

Flüssiggashandel und Lagerung

Die Lagerstätten für Flüssiggas und Erdgas sind die größte Gruppe der gefährlichen Stoffe in Österreich, wobei es sich bei den oberirdischen Lagerstätten (nur diese sind wirklich von Bedeutung) zumeist um Flüssiggas (Propan / Buthan) handelt. Hier gilt sinngemäß das gleiche wie für brennbare Flüssigkeiten, allerdings sind hier die Gefährdungsabstände bei Unfällen mit Flüssiggasanlagen geringer.

Gefahrengeneigte Anlagen im Überblick

Die Statistik der gefahrengeneigten Anlagen Österreichs, das sind jene Anlagen, die unter die Bestimmungen der Störfallverordnung fallen, stellt zugleich auch einen Überblick über die im Wesentlichen verwendeten Produktgruppen dar. Die Verteilung hat überblicksmäßig folgendes Aussehen:

Gefahrengeneigte Anlagen nach Produktgruppen 

Lagerstätten für brennbare Gase (Erdgas und Flüssiggas) 31%
Betriebe mit verschiedenen giftigen Stoffen, zumeist Lagerstätten 29%
Lagerstätten von brennbaren Flüssigkeiten (hochentzündlich und leichtentzündlich) 18%
Ammoniakkühlanlagen 10%
Produktionsstätten und Lager von Explosivstoffen 7%
Betriebe, die Chlorgas verwenden 5%


Eine weitere Unterteilung der Betriebe mit giftigen Stoffen wäre sehr detailliert und umfangreich. Typische Stoffe sind etwa Methanol, Ethylenoxid, Propylenoxid, Phosgen oder Toluylendiisocyanat. In die Gruppe der Explosivstoffe fallen nicht nur Stoffe wie etwa Schieß- und Sprengmittel, sondern auch Lagerstätten für Ammoniumnitrat (Düngemittel), falls dieses aufgrund seines Stickstoffgehaltes zur Detonation fähig ist.

Gasen kommt insofern eine ganz besondere Bedeutung zu, da sie aufgrund ihrer raschen Ausbreitungsfähigkeit auch ein großes Schadensgebiet zur Folge haben können. Das Gefahrenpotential eines Gases hängt nicht nur von der Giftigkeit des Stoffes, sondern auch davon ab, ob das Gas schwerer oder leichter als Luft ist.

 

 
 
 
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